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Buchrezension: Sitzen ist fürn Arsch

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Schaut „man sich den Tagesverlauf der meisten Menschen“ an, stellt man fest, dass es sich um einen stätigen Wechsel von Sitzgelegenheit zu Sitzgelegenheit handelt (S.10). Morgens beim Frühstück, im Auto, im Büro angekommen, in der Mittagspause und abends zu Hause auf dem Sofa. Welche Gelegenheiten nutzen wir tatsächlich, um auch mal zu Stehen oder uns bewusst zu bewegen?

Dr. Vivien Suchert bezeichnet die Menschheit in ihrem Buch „Sitzen ist fürn Arsch“ als Hochleistungssitzer und spricht damit ein wichtiges Thema an. Denn das ständige Sitzen hat erhebliche negative Folgen auf unsere Gesundheit. In dem Buch geht es darum, ein Bewusstsein für unsere Sitzgewohnheiten zu schaffen und Perspektiven aufzuzeigen diese zu brechen.

„Unser Körper ist dazu geschaffen, aktiv zu sein“ (S.12)

Zunächst geht die Autorin 200 000 Jahre zurück – in die Steinzeit – und erläutert, wie wir zu bewegungsfaulen Menschen geworden sind. Belegt durch Zahlen und Studien zählt Vivien Suchert die Stunden des täglichen Sitzens auf. Die Gründe für das viele Sitzen werden in Form von „Sitzfallen“ erläutert. Sie geht sehr humorvoll mit dem Thema um, schreibt ihre eigene, durchaus lustige Definition von „Sitzfalle“ und bringt den heutigen Lebensstil (Sitzfalle „digitale Medien“) auf den Punkt:

„Wir verbringen Stunden damit […] uns auf Instagram kilometerweit durch Profile zu scrollen oder auf WhatsApp ein Emoji mit dem nächsten zu beantworten, aber wir haben keine zwanzig Minuten, um körperlich aktiv zu sein?“ (S.142-143).

Dass ständiges Sitzen nicht gesund ist, wissen wir wahrscheinlich alle und jeder kämpft mit seinen Wehwehchen. Vivien Suchert beschreibt, welche physischen und psychischen Krankheiten durch einen überwiegend sitzenden Lebensstil auftreten können und „warum Sport nur die halbe Miete ist“ (S.135). Denn mit der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation mind. 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver Aktivität pro Woche, ist es nicht getan, wenn sich an der Gesamtverteilung des Sitzens nur wenig ändert.

Die Autorin motiviert dazu sich mit der sogenannten SMART-Regel von Peter Ferdinand Drucker auseinander zu setzen. So sollte man Ziele konkret formulieren (spezifisch), messbar machen, anspruchsvoll und realistisch gestalten sowie einen Zeitraum für die Veränderung festlegen (terminiert). Altbekannte Mittel wie Eieruhr oder Klebezettel können dabei als Erinnerung für die Bewegungsaufforderung dienen. Besser noch sind Fitnesstracker, die uns auffordern aktiv zu werden. Aber warum nicht einfach mal den Zugang zu Sitzgelegenheiten erschweren? Dazu gibt die Autorin einige interessante Tipps.

Im vorletzten Kapitel kann der Leser für 7 Tage die Sitzzeiten bei unterschiedlichen Situationen eintragen und sich eigene Ziele im Sinne der SMART-Regel setzen. Auch Strategien und Mitstreiter können eingetragen werden.

Die letzten Seiten des Buches sind eine Zusammenfassung konkreter Aktivitätsvorschläge am Arbeitsplatz, bei der Fortbewegung, in der Freizeit und im Haushalt.

Den größten Teil des Buches machen allerdings Zusammenfassungen anderer Studien aus. Die Autorin gibt einige interessante Anregungen, um noch mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. Im Großen und Ganzen ist das aber alles nichts Neues, wissen wir doch alle, dass wir zu viel Sitzen und Sitzen nicht gesund ist. Hier appelliert die Autorin an den inneren Schweinehund und regt dazu an, sich selbst mehr zu kontrollieren. So habe ich für mich festgelet, einen Tag in der Woche zu versuchen auf den Bürostuhl zu verzichten und statt Kaffetrinken im Sitzen lieber einen Coffe-to-go und einen Spaziergang zu machen. Soziale Unterstützung wirkt sich auf das Vorhaben sicherlich positiv aus. So könnte daraus auch ein kleiner Wettbewerb unter KollegInnen entstehen.

ISBN: 987-3-453-60437-7

Mara Seupel

Mara Seupel

Dipl.-Ing. Mara Seupel hat Medientechnologie an der TU Ilmenau studiert und arbeitet seit 2013 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Kommunikationswissenschaft. Neben ihrer Tätigkeit als Dozentin ist sie Chefredakteurin der Online Zeitschrift Medienproduktion.