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Die Kinderuni Ilmenau feierte 2014 zehnjähriges Jubiläum und eine ebenso lange Erfolgsgeschichte. Unter dem Motto „Ilmenau macht Kinder schlau“ ist in dieser Zeit zu einer der größten Kinderunis Deutschlands gewachsen. An sechs Tagen im November kommen jedes Jahr Kinder zwischen 8 und 10 Jahren auf den Campus und dürfen probieren, was es heißt, Student zu sein. UNI hat sie einen Tag lang begleitet und dabei auch hinter die Kulissen der Organisation geschaut.

„Ich glaube, dass ich etwas lernen werde und dass es spannend wird!“ Tom-Otis ist 10 Jahre alt und besucht zum ersten Mal die Kinderuni in Ilmenau. Er ist als Einzelkind mit seiner Mutti aus Kamsdorf bei Saalfeld angereist. Dass es in Ilmenau eine Kinderuni gibt, haben die beiden über die Schule erfahren. Tom-Otis ist einer von über 600 Kindern, die am heutigen Tag an der Kinderuni teilnehmen werden. Viele Kinder reisen dabei im Klassenverband mit ihren Lehrern an, aber auch einige, so wie Tom-Otis, privat mit ihren Eltern.

Für die Kinder beginnt der Tag um 11:30 Uhr mit der Immatrikulation. Damit sich die Schüler wirklich richtig als Studenten fühlen können, erhalten sie einen Studentenausweis. Anschließend ist Mittagessen in der Mensa geplant, um gestärkt den universitären Veranstaltungen lauschen zu können. Bevor es allerdings tatsächlich in die erste Vorlesung geht, werden die Schüler noch über den Campus geführt. Schließlich besteht das Studentenleben nicht nur aus Vorlesungen, sondern ebenso aus langen Bibliothekstagen und Clubnächten. Die Kinder gehen in Gruppen zu verschiedenen Stationen. Viele der Stationen werden von den ehrenamtlichen Vereinen der TU Ilmenau geleitet. Dazu zählen unter anderem die Ilmenauer Studentenclubs, in denen die Schüler alkoholfreie Cocktails mixen und die Musikanlage ausprobieren können, der Sportverein Ilm Angels, bei dem ihnen echte Akrobatik vorgeführt wird, der Hochschulfilmclub hfc, die Organisation der Internationalen Studentenwoche ISWI und auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologe IDMT.

Nach einem Einblick in die Freizeitaktivitäten von Studenten folgt die erste Vorlesung – direkt im Audimax, dem größten Hörsaal der TU Ilmenau, der auf die Kleinen noch größer wirkt. Der Chemiker Professor Peter Scharff präsentiert Explosionen, was das Zeug hält. Jedes Jahr engagiert sich der Rektor persönlich als Dozent bei der Kinderuni und beeindruckt die kleinen Studenten mit lehrreichen wie verblüffenden Experimenten, um sie für die Wissenschaft zu begeistern. 2014 hält er seine Vorlesung zum Thema: „Wie sieht man Feuer und Licht aus chemischer Sicht?“ Andere Themen sind „Wie erkennen Handys Stimmen, Musik und Gesichter?“, „Minecraft – Wie lernt man damit programmieren?“ oder auch „Was ist eine gute Frage?“ Die insgesamt zwölf Vorlesungen mehren nicht nur das Wissen der Kinder in den verschiedenen Lehrbereichen der TU Ilmenau, sondern sind ebenso spannend und unterhaltend.

Das ist aber wohl nur einer von vielen Gründen, warum die Kinderuni in Ilmenau seit ihrer Gründung 2004 eine Erfolgsgeschichte feiert. Kontinuierlich erhöhte sich die Anzahl der Anmeldungen, sodass bereits die ursprünglich fünf Veranstaltungstage auf sechs erhöht wurden. Dennoch sitzen die Leiter der Schulklassen, die teilnehmen wollen, am Anmeldetag um Punkt 12 Uhr vor dem Rechner und hoffen, für ihre Klasse noch einen Platz zu ergattern. 2013 nahmen mehr als 4.200 Kinder, Lehrer und Eltern an der Kinderuni teil und machten sie wie in den Vorjahren zu einer der größten ihrer Art in ganz Deutschland. Die letzte Kinderuni 2014 überbot die Anmeldezahlen noch einmal mit 4.700 Anmeldungen, sodass 500 Anmeldungen nicht berücksichtigt werden konnten.

Wer allerdings annimmt, dass nach elf Kinderunis in 10 Jahren die Organisation der Veranstaltung reine Routine ist, der irrt. Denn nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Organisatoren sind hier Lernende. Unter der Projektleitung von Ilka Siegmund vom Fachgebiet Medien- und Kommunikationsmanagement wird die Kinderuni von einem Projektteam aus jährlich wechselnden Studenten der Angewandten Medien- und Kommunikationswissenschaft organisiert. Im Rahmen von verschiedenen Lehrveranstaltungen können die Studenten Leistungspunkte für die erbrachte Arbeit erwerben. Zusätzlich haben sie dabei die Möglichkeit, hinter die Kulissen der Organisation einer so großen Veranstaltung zu schauen und dabei selbst Verantwortung zu übernehmen. „Wir hatten schon sehr viele Aufgaben, haben diese aber auch recht gut aufgeteilt“, sagt Daniela Schlott. Die 22-jährige Studentin ist im 7. Fachsemester und leitete 2014 das Projektteam der Kinderuni. Die Gruppe besteht jährlich aus sieben Studenten, die in sechs Ressorts eingeteilt sind. „Wir haben bei dem Projekt sehr viele Erfahrungen gesammelt und auch gelernt, dass man an viele Kleinigkeiten denken muss“ berichtet Melanie Tautz (26), die sich um die Kommunikation in der Veranstaltung gekümmert hat. Trotz der intensiven Arbeit des Projektteams ist eine Umsetzung der Kinderuni zu siebt nicht möglich, weswegen jedes Jahr intensiv nach Helfer gesucht werden muss. Über 40 Personen werden an jedem Veranstaltungstag der Kinderuni benötigt, um einen problemlosen Ablauf zu garantieren. Die Helfer übernehmen Aufgaben wie Eltern- und Kinderbetreuung, Fotografieren oder die Aufsicht an verschiedenen Stationen. Selbst die Campusführung wird von den Helfern durchgeführt.

Es ist fast 17 Uhr und mittlerweile bereits dunkel. Die zweite Vorlesung ist vorbei. Mit reichlich neuem Wissen und vielen gewonnenen Erfahrungen treten die Kinder wieder die Heimreise an – hoffentlich mit einem nachhaltigen Eindruck von der Universität und dem studentischen Leben oder sogar der Idee, einmal selbst an der TU Ilmenau studieren zu wollen.

Dieser Beitrag wurde von Susann Kohout verfasst und ist in der Ausgabe I/2015 der „UNI – Universitäts-Nachrichten Ilmenau“ erschienen.

Ilka Siegmund

Ilka Siegmund

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Medien- und Kommunikationsmanagement an der Technischen Universität Ilmenau.

Projektmanagement by Science Fiction: „Projekt- und Linienorganisation funktionieren konfliktfrei. Der Projektleiter hat alle notwendigen Kapazitäten und Kompetenzen. Lenkungsausschuss und der Vorstand verstehen, was ihnen berichtet wird.“ Die Realität sieht oft etwas anders aus. Ilka Siegmund hat bisher mehr als 300 studentische Projekte begleitet. Ihr Schwerpunkt liegt in der Lehre und in der Vermittlung theoretischer und praktischer Kenntnisse des Projektmanagements. In realen Projekten sammeln die Studierenden in Zusammenarbeit mit Projektauftraggebern aus der Praxis vielfältige Erfahrungen. Immer mit dem Ziel, Projektmanagement by Science Fiction Realität werden zu lassen.
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