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Chancen und Grenzen des Mobile Learning aus Sicht von kaufmännischen Mitarbeiter(inne)n

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In der betrieblichen Aus- und Weiterbildung hat sich das E-Learning als mediengestützte Lernform etabliert. Mit der Entwicklung des Mobile Learning wird diese Lernform um die Eigenschaft den Lernort, die Lernzeit und die Lerninhalte individuell festzulegen sowie die jeweilige physische Umgebung beim Lernen einzubeziehen, erweitert. In diesem Beitrag werden ausgewählte Ergebnisse einer Untersuchung zum Thema Mobile Learning vorgestellt die im Zeitraum von April bis Mai 2016 im Bezirk Weser-Ems und der Stadt Bremen durchgeführt wurde. Dabei wurden insgesamt 102 kaufmännische Arbeitnehmer/-innen u.a. zu ihrer privaten wie beruflichen Nutzung von mobilen Endgeräten sowie zu ihrer Einstellung gegenüber der Verwendung solcher Geräte im Rahmen der Weiterbildung befragt.

1. Mobile Learning als Trend in der beruflichen Bildung

Die betriebliche Lern- und Arbeitswelt verändert sich zunehmend [12]. Der technologische Wandel und die kontinuierlich voranschreitende Internationalisierung der Märkte führen zu einer hochflexiblen Arbeitswelt, die fortwährend neue Anforderungen an die Beschäftigten stellt und die betrieblichen Lern- und Arbeitsprozesse nachhaltig beeinflusst [9]. Das Prinzip des Normalarbeitsverhältnisses wird durch vielfältige Formen arbeitszeitlicher Flexibilisierungen wie Leiharbeit oder geringfügiger und saisonaler Beschäftigung mehr und mehr aufgebrochen [7]. Das Arbeiten in wechselnden, aufgabenbasierten Projektteams ersetzt zunehmend die tradierte Stellenbesetzung und bildet den zentralen Rahmen für Arbeiten und Lernen [7], [1]. Darüber hinaus findet Arbeit immer seltener zu festgelegten Zeiten und Orten statt und kann unterwegs oder zu Hause erfolgen. Es steigt der Anteil von Beschäftigten, die sogenannten Mobile Workers, welche außerhalb von traditionellen Büros arbeiten [17]. Begünstigt wird diese Entwicklung durch die steigende Verbreitung und die verbesserte Vernetzung mobiler Endgeräte und deren Internetanbindung, sodass immer mehr Arbeitsprozesse im Produktions- und Dienstleistungsbereich im stärkeren Maße computer- bzw. netzgestützt und damit zeit- und ortsunabhängig stattfinden können [6].

Die steigende Flexibilisierung im Beschäftigungssystem führt dazu, dass die Verantwortung für die eigene Employability im verstärkten Maße auf die Beschäftigten übertragen wird [7]. Dies erfordert von den Arbeitnehmer(inne)n eine lebensbegleitende Kompetenzentwicklung, wodurch das Konzept des lebenslangen Lernens an Bedeutung gewinnt [9]. Die Mitarbeiter/-innen sind aufgefordert, sich im Laufe ihres Lebens in ständig wechselnden Arbeitskontexten einzufinden, selbstständig neues Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten anzueignen, dadurch ihr Selbst- und Weltverständnis zu verändern und zugleich eine zunehmende Selbstverantwortung für den eigenen lebenslangen Lern- und Bildungsprozess zu übernehmen [7], [17].

Mit dem vorherrschenden Strukturwandel in der Arbeitswelt haben sich auch die Formen beruflicher Weiterbildung verändert [5]. Stand bislang primär die anlassbezogene und punktuell ausgerichtete Wissensvermittlung und Qualifizierung der Mitarbeiter(innen) im Fokus betrieblicher Aus- und Weiterbildung, bildet nun die Kompetenzentwicklung das Ziel [6], [5]. „Vor diesem Hintergrund erhalten arbeitsnahe und arbeitsbezogene Formen der beruflichen und betrieblichen Qualifizierung und Kompetenzentwicklung eine besondere Bedeutung.“ [11] Vor allem das Lernen am Arbeitsplatz trägt dazu bei Arbeits- und Lernprozesse miteinander zu verbinden [11]. Lernen findet heutzutage direkt am Arbeitsplatz der Mitarbeiter(innen) im Austausch mit Kolleg(inn)en statt wodurch Seminar- und Kursstrukturen als Lernarrangements an Wichtigkeit verlieren [5], [14].

Die Gestaltung der aktuellen betrieblichen Weiterbildung ist jedoch von diesen Entwicklungen weitgehend losgelöst. Es werden überwiegend qualifizierungsorientierte, standardisierte Angebote in Form von Trainings, Seminaren oder E-Learning-Maßnahmen genutzt [12], [14]. Die steigende Technologie- und Wissensintensität beruflicher Facharbeit in Handwerk, Mittelstand und Industrie macht es allerdings erforderlich, Wissens- bzw. Lerneinheiten unmittelbar am jeweiligen Arbeitsplatz prozessorientiert zur Verfügung zu stellen [3]. Dementsprechend ist es die Aufgabe der betrieblichen Weiterbildung, den Mitarbeiter(inne)n einen optimalen Zugriff auf die aktuellsten Bildungsinhalte zu gewährleisten, der bedarfsgerecht zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort ermöglicht werden muss [4]. Um die mit der beruflichen Weiterbildung und dem lebenslangen Lernen einhergehende Forderung nach einer steigenden Eigeninitiative der Mitarbeiter(innen) zu erfüllen, sind also Lernformen angebracht, die flexibel einsetzbar sind und zeit- und ortsunabhängig einen kommunikativen Austausch ermöglichen [16]. Die Lernform des Mobile Learning, die seit einigen Jahren national wie international als zukunftsfähiger Trend beim digitalen Lernen diskutiert wird, kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten. Mobile Learning, auch mobiles Lernen oder m-Learning genannt, knüpft an den etablierten Begriff E-Learning an [8]. Trotz Bemühungen, den Begriff des mobilen Lernens möglichst eng zu umreißen, existiert in der Literatur bislang noch keine einheitliche Definition für die Lernform [8], [13].

Vielmehr ergeben sich unterschiedliche Definitionsversuche der jeweiligen Bezugsdisziplinen, aus denen das mobile Lernen betrachtet wird [13]. Allgemein kann Mobile Learning beschrieben werden als das „Lernen mit mobiler Computer- und Telekommunikationstechnologie, sofern dabei Lehr-Lern-Szenarien zum Einsatz kommen, die speziell auf mobile Endgeräte angepasst sind.“ [2] Trotz der technischen Entwicklungen und der steigenden Verfügbarkeit von mobilen Endgeräten wird Mobile Learning in der betrieblichen Praxis nur wenig eingesetzt. Lediglich 17 % der Großunternehmen und nur 13 % der kleinen und mittleren Unternehmen setzen diese Lernform derzeit in der Aus- und Weiterbildung ein [10]. Als Gründe für die Zurückhaltung der Unternehmen können die fehlenden Informationen über die konkreten Anwendungsmöglichkeiten und Chancen dieser Lernform gesehen werden [4].

Die empirische Forschung zum Mobile Learning befindet sich gegenwärtig noch in einem frühen Stadium, da es erst seit ca. zehn Jahren im Mittelpunkt der medienpädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Forschung liegt [13]. In ihrer Metaanalyse stellten Wu et al. [18] fest, dass sich die Forschungen im Bereich Mobile Learning bislang überwiegend mit der Beurteilung der Wirkungsweise von Mobile Learning und dem Entwurf mobiler Lernsysteme beschäftigen. So wurde vielfach der Einsatz von Mobiltelefonen, elektronischen Notizbüchern, Laptops und Portable Media Playern, wie I-Pods oder MP3-Playern, im universitären Kontext sowie im Sekundar- und Primarbereich bewertet. Demzufolge bilden Student(inn)en und Schüler(innen) die häufigsten Stichprobengruppen im Forschungsfeld des Mobile Learning, wohingegen nur wenige Studien Erwerbstätige oder Lehrkräfte in den Fokus der Betrachtung stellen. Darüber hinaus stellt Frohberg [8] in einer Analyse von über 100 wissenschaftlichen Projekten zum Mobile Learning heraus, dass die genutzten Lernszenarien nahezu aller Projekte für Lernende mit keinem bzw. geringem Vorwissen konzipiert sind. Nur vereinzelte Vorhaben befassen sich demnach mit Lernenden mit erhöhtem Vorwissen, die sich beruflich weiterbilden wollen. So fehlt es gegenwärtig in der beruflichen Bildung „sowohl im formellen als auch informellen Bereich noch an aussagekräftigen Forschungsaktivitäten und -ergebnissen zu methodisch-didaktischen Konzepten für mobile Lernprozesse“ [15]. Aus diesen Gründen wurde im Rahmen einer Masterarbeit eine Onlinebefragung durchgeführt um zu analysieren, welche Chancen und Grenzen sich aus Sicht von kaufmännischen Arbeitnehmer(inne)n durch das Mobile Learning für das private und arbeitsplatzbezogene Lernen ergeben. Besonderes Augenmerk galt dabei der Analyse der bisherigen (Lern-)Erfahrungen der Arbeitnehmer(innen) mit mobilen Endgeräten.

2. Methodik

Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse der Onlinebefragung vorgestellt, die im Zeitraum vom 18. April bis zum 20. Mai 2016 in der Region Weser-Ems und der Stadt Bremen durchgeführt wurde. Die Untersuchung richtete sich an kaufmännische Arbeitnehmer(innen). Auszubildende wurden in dieser Untersuchung nicht befragt. Der verwendete Fragebogen enthielt insgesamt 14 Fragen, die sich aus geschlossenen und halboffenen Fragen sowie Ratingskalen zusammensetzten und sich in drei Teilbereiche gliederten:

  • Begriffsverständnis Mobile Learning
  • Nutzung von mobilen Endgeräten im Unternehmensalltag und im privaten Kontext
  • Einstellung zur Verwendung von Mobile Learning im Rahmen der Weiterbildung

Diesen Kategorien folgte eine abschließende Erhebung der soziodemografischen Merkmale, in der u.a. das Alter, das Geschlecht und die Unternehmensbranche der Teilnehmer(-innen) erfragt wurde.

Die zugrunde liegende Grundgesamtheit bildeten alle Betriebe im Bezirk Weser-Ems (einschl. der Stadt Bremen) die Arbeitnehmer(innen) im kaufmännischen Bereich beschäftigen. Da eine Vollerhebung dieser Betriebe nicht möglich war, wurde durch bewusste Auswahl eine Stichprobe von 104 Unternehmen gezogen und schriftlich kontaktiert. Von diesen angeschriebenen Unternehmen nahmen 120 Personen an der Befragung teil, von denen 102 Proband(inn)en den Fragebogen komplett abschlossen. Ausschließlich diese Datensätze wurden für die anschließende Auswertung verwendet. An der Befragung beteiligten sich 51 männliche und 45 weibliche Personen. Sechs Proband(inn)en machten keine Angaben zu ihrem Geschlecht. Das Durchschnittsalter der Proband(inn)en betrug 34 Jahre, wobei die jüngste Person 19 Jahre und die älteste Person 60 Jahre jung war. Eine Person gab ihr Alter nicht an. Mit 53 Personen beteiligten sich am häufigsten Arbeitnehmer(innen) aus dem produzierenden Gewerbe an der Umfrage. Doch auch Personen aus dem Banken- und Versicherungsbereich (13 Personen), dem Handel (9 Personen), dem Speditions- und Logistikbereich (8 Personen), der Steuerberatung (4 Personen) und der Informationstechnologie (2 Personen) waren in der Stichprobe vertreten. Die restlichen zwölf Befragungsteilnehmer(innen) stammten aus verschiedenen Bereichen wie dem Dienstleistungsgewerbe, dem Bauhandwerk und der Schifffahrt. Eine Person machte keine Angaben zu ihrer Unternehmensbranche.

3. Ergebnisse der empirischen Untersuchung

Zunächst sollte die Frage geklärt werden, welche mobilen Endgeräte kaufmännische Arbeitnehmer(innen) gegenwärtig am Arbeitsplatz bzw. in der Freizeit nutzen. Dafür wurden die Untersuchungsteilnehmer(innen) gebeten anzugeben, wie häufig sie mobile Endgeräte wie E-Book Reader, Tablet-PCs, MP3-Player, Smartphones, Laptops oder herkömmliche Handys privat als auch beruflich nutzen. Es zeigte sich, dass das Smartphone zum festen Bestandteil im betrieblichen wie im persönlichen Kontext geworden ist und dem Laptop in Bezug auf die Nutzungshäufigkeit mindestens gleichgestellt ist. Beide Geräte werden von den Probanden häufig bis täglich genutzt. Der Tablet-PC wird ebenfalls von der Hälfte der Befragten zumindest häufig bis regelmäßig verwendet und ist, aufgrund der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, für künftige Mobile Learning Angebote zu berücksichtigen. Gleichzeitig besitzen E-Book Reader, herkömmliche Mobiltelefone und MP3-Player sowohl im Privatleben wie auch am Arbeitsplatz der Befragten, wahrscheinlich aufgrund der vielfach zu geringen Bildschirmgrößen und der eingeschränkten Nutzbarkeit sowie der oft fehlenden Internetfähigkeit, nur eine geringe Bedeutung für das Lernen. Das Gros der Befragten nutzen diese Geräte nur selten. In Bezug auf die künftige Gestaltung von Mobile Learning werden solche Geräte deshalb wahrscheinlich nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Tabelle 1
Tabelle 1: Erfahrungen mit digitalen Medien zu Weiterbildungszwecken; Verwendete Skala: 1 = nie, 2 = selten, 3 = gelegentlich, 4 = oft, 5 = immer

Daraufhin wurde analysiert, wie aufgeschlossen die Testpersonen der Nutzung mobiler Endgeräte in der Weiterbildung gegenüberstehen, da ein alleiniger Besitz von mobilen Endgeräten noch nichts über die Bereitschaft diese auch für Lernzwecke zu verwenden aussagt. Deshalb wurden die Proband(inn)en gebeten, auf einer Bewertungsskala einzuschätzen, wie häufig sie bereits E-Learning bzw. Mobile Learning und Apps zu Fortbildungszwecken verwendet haben. Die nachstehende Tabelle 1 zeigt die Ergebnisse.

Es zeigt sich, dass sich elektronische Lernformen noch nicht in allen Unternehmen etabliert haben. So bildeten sich die Befragten in der Vergangenheit im Durchschnitt eher selten bis gelegentlich mit E-Learning Angeboten und mobilen Endgeräten weiter. Ebenso nahmen bisher nur wenige Befragte das Angebot, sich mit Apps fortzubilden, an. Ein Grund hierfür könnte sein, dass es momentan nur wenige Lern-Apps gibt, die speziell für den Weiterbildungsbereich konzipiert sind.

Tabelle 2
Tabelle 2: Einschätzung der zukünftigen Verwendung von mobilen Endgeräten zum Lernen; Verwendete Skala: 1 = keinesfalls; 2 = wahrscheinlich nicht; 3 = vielleicht; 4 = ziemlich wahrscheinlich; 5 = ganz sicher

Mit Blick auf die Zukunftsabsichten der Befragten, veranschaulicht in Tabelle 2, ist erkennbar, dass die Arbeitnehmer(-innen) dem mobilen Lernen recht unentschlossen gegenüberstehen. Dies liegt vermutlich daran, dass die Proband(-inn)en, wie oben beschrieben, bisher nur wenig Erfahrungen mit elektronischen Lernformen gesammelt haben und dem Mobile Learning deshalb zurückhaltend gegenüberstehen. Am ehesten sind die Befragten bereit mit einem mobilen Endgerät in der Freizeit zu lernen. Am wenigsten wollen die Untersuchungsteilnehmer(innen) zukünftig ihre Arbeitspausen nutzen, um mit mobilen Endgeräten zu lernen.

Mit vielleicht bewerten die Proband(inn)en im Durchschnitt die zukünftige Nutzung des Mobile Learning während der Arbeitszeit und in Fortbildungsseminaren. Wahrscheinlicher ist es dagegen, dass die Testpersonen kurze Wartezeiten nutzen, um kleine Lerneinheiten zu bearbeiten.

Tabelle 3: Einschätzung der Vor- und Nachteile des Mobile Learning;
Tabelle 3: Einschätzung der Vor- und Nachteile des Mobile Learning; Verwendete Skala: 1 = keinesfalls; 2 = wahrscheinlich nicht; 3 = vielleicht; 4 = ziemlich wahrscheinlich; 5 = ganz sicher

Die Probanden wurden ferner gebeten, die Vor- und Nachteile, die dem Mobile Learning in der Literatur zugesprochen werden, zu beurteilen, um mögliche Potenziale für einen gezielten Einsatz mobiler Informations-, Lehr- und Lernmöglichkeiten in der beruflichen Weiterbildung zu ermitteln. Dazu wurden die Befragungsteilnehmer(innen) aufgefordert, ihre Zustimmung bezüglich verschiedener Behauptungen zum mobilen Lernen anzugeben. Die Tabelle 3 gibt einen Überblick über die Aussagen sowie den aus den Antworten der Proband(inn)en errechneten Mittelwerten und Standardabweichungen.

Innerhalb der Stichprobe herrschte Einigkeit darüber, dass es mobile Endgeräte ermöglichen, notwendige Informationen und Wissen jederzeit abzurufen. Damit einhergehend stimmten die Proband(inn)en der Aussage zu, dass mobile Endgeräte zeit- und ortsungebundenes Lernen unterstützen und flexiblere Angebote zur Weiterbildung bereit halten. Die Möglichkeit das eigene Lerntempo individuell zu steuern, sehen die Teilnehmer(innen) als weiteren Vorteil des Mobile Learning an. Allerdings, so die überwiegende Einschätzung der Arbeitnehmer(innen), verlangt das Lernen mit einem mobilen Endgerät von den Nutzer(inne)n eine hohe Selbstdisziplin. Des Weiteren ist diese Lernform aus Sicht der Befragten nicht unbedingt für das Lernen von komplexen Themenbereichen geeignet, sondern eher für die Bearbeitung von kleinen Lerneinheiten nützlich. Ein hohes technisches Know-how müssen potenzielle Nutzer(innen) nach Einschätzung der Proband(inn)en nicht besitzen. So sind mobile Endgeräte in der Gesellschaft wahrscheinlich so weit verbreitet, dass der Gebrauch eines solchen Gerätes für die Arbeitnehmer(innen) keine technische Hürde darzustellen scheint.

Tabelle 4
Tabelle 4: Korrelation zwischen den Erfahrungen mit digitalen Medien in der Weiterbildung und der zukünftigen Verwendung von Mobile Learning
Anmerkung:
* Die Korrelation ist auf dem Niveau von .05 (2-seitig) signifikant.
** Die Korrelation ist auf dem Niveau von .01 (2-seitig) signifikant.

Zuletzt wurde im Rahmen der empirischen Untersuchung analysiert ob die bisherige Erfahrung mit E-Learning bzw. Mobile Learning Einfluss auf die zukünftige Nutzung von mobilen Endgeräten zu Lernzwecken nimmt. Dazu sind in Tabelle 4 die ermittelten Abhängigkeiten zwischen den Erfahrungen mit digitalen Medien in der Weiterbildung und der zukünftigen Verwendung von Mobile Learning dargestellt.

Es ist festzustellen, dass mit zunehmender E-Learning-Erfahrung eine höhere Bereitschaft Mobile Learning zukünftig in der Freizeit (r = .261*) oder in Fortbildungsseminaren (r = .243*) zu nutzen einhergeht. Überdies werden Arbeitnehmer(innen), die bereits mobile Endgeräte zur Weiterbildung verwendet haben wahrscheinlicher in der Freizeit (r = .319**), während der Arbeitszeit (r = .222*), während kurzer Fahrten oder Pausen (r = .250*) und in Fortbildungsseminaren (r = .287**) mobil lernen. So ist anzunehmen, dass die Befragten die bisher gesammelten Erfahrungen mit E-Learning und/oder Mobile Learning als positiv empfunden haben und demzufolge motivierter sind, sich auch zukünftig mit mobilem Lernen weiterzubilden. Dittler & Kreidl [19] stellten diesen Zusammenhang ebenfalls in einer ähnlichen Befragung fest.

Tabelle 5: Korrelation zwischen den Erfahrungen mit E-Learning/Mobile Learning und den Einschätzungen der Vor- und Nachteile des Mobile Learning Anmerkung: * Die Korrelation ist auf dem Niveau von .05 (2-seitig) signifikant. ** Die Korrelation ist auf dem Niveau von .01 (2-seitig) signifikant.
Tabelle 5: Korrelation zwischen den Erfahrungen mit E-Learning/Mobile Learning und den Einschätzungen der Vor- und Nachteile des Mobile Learning
Anmerkung:
* Die Korrelation ist auf dem Niveau von .05 (2-seitig) signifikant.
** Die Korrelation ist auf dem Niveau von .01 (2-seitig) signifikant.

Darüber hinaus ist es interessant zu erfahren, ob die bisher gesammelten Erfahrungen mit digitalen Medien in der Weiterbildung die Befragten in ihrer Bewertung der aufgeführten Vor- und Nachteile des Mobile Learning beeinflussen. Hierfür wurden aus den Einschätzungen der Befragten zu Vor- und Nachteilen des Mobile Learning die Mittelwerte gebildet, um diese anschließend mit den bisherigen E-Learning bzw. Mobile Learning Erfahrungen zu vergleichen (siehe Tabelle 5).

Learning bzw. Mobile Learning und den Mittelwerten der Nachteile eine (hoch) signifikante mittlere negative Korrelation (r = -.325**) bzw. (r = -.228*) besteht. Je mehr Erfahrungen eine Person demnach mit E-Learning bzw. Mobile Learning in der Weiterbildung bereits gesammelt hat, desto weniger empfindet sie die genannten Aussagen (siehe Tabelle 3), wie etwa die mögliche Ablenkung durch das mobile Endgerät am Arbeitsplatz die notwendige Selbstdisziplin und das technische Know-how, als nachteilig.

4. Zusammenfassung und Ausblick

Die Ergebnisse dieser Untersuchung bestätigen, dass Mobile Learning, wie eingangs beschrieben, bislang nur von wenigen Unternehmen für betriebliche Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen genutzt wird, da der Großteil der Befragten in der Vergangenheit nur wenig Erfahrungen mit dieser Lernform gesammelt hat.

So werden Potenziale, welche diese Lernform bietet, wie der spontane Abruf von Informationen und Wissen sowie die Möglichkeit zeit- und ortsungebunden zu lernen, nicht ausgeschöpft. Jedoch konnte innerhalb der empirischen Untersuchung nachgewiesen werden, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen den Erfahrungen der Arbeitnehmer(innen) und der Motivation, künftig mobile Endgeräte zur beruflichen Weiterbildung zu verwenden, existiert. Je mehr Erfahrungen eine Person demnach mit E-Learning bzw. Mobile Learning gesammelt hat, desto höher ist ihr Interesse sich auch in Zukunft mit mobilen Endgeräten fortzubilden. So sind Personen, die bereits positive Erfahrungen mit E-Learning und Mobile Learning in der Vergangenheit gesammelt haben, der Verwendung von Mobile Learning gegenüber aufgeschlossener. Damit einhergehend zeigt sich, dass mit zunehmender E-Learning- bzw. Mobile Learning Erfahrung der Befragungsteilnehmer(innen), die möglichen Schwächen, die dem Mobile Learning in der Literatur zugeschrieben werden, wie eine geringe Bildschirmgröße mobiler Endgeräte, weniger als Nachteil aufgefasst werden. Vor allem in Anbetracht der Generationen, die mit dem stetig größer werdenden Medienangebot aufgewachsen und vertraut sind, kann das Mobile Learning deshalb eine vielversprechende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeit darstellen. So sollte dieser Aspekt bei der Planung zukünftiger Lehr-Lernarrangements beachtet und die Entwicklung mobiler Lernangebote gefördert werden.

Literatur

[1] BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V.) (Hrsg.) (2013): Vom E-Learning zu Learning Solutions. Positionspapier AK Learning Solutions. Abrufbar unter: https://www.bitkom.org/Publikationen/2016/Sonstiges/E-Learning-Studie/Positionspapier-Learning-Solutions-2013.pdf. Letzter Zugriff: 27.08.2016.

[2] Bartelsen, J. (2011). mobile learning – ein Überblick. Elmshorn: Nordakademie Hochschule der deutschen Wirtschaft.

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[4] BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V.) (Hrsg.) (2014): Sieben gute Gründe für mobiles Lernen. Whitepaper des BITKOM-Arbeitskreises Learning Solutions. Abrufbar unter: https://www.bitkom.org/Publikationen/2014/Studien/Sieben-gute-Gruende-fuer-mobiles-Lernen/BITKOM-Whitepaper-Sieben-gute-Gruende-fuer-mobiles-Lernen.pdf. Letzter Zugriff: 27.08.2016.

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[17] Witt, C. de (2013). Vom E-Learning zum Mobile Learning – wie Smartphones und Tablet PCs Lernen und Arbeit verbinden. In: Witt, C. de/Sieber, A. (Hrsg.): Mobile Learning. Potenziale, Einsatzszenarien und Perspektiven des Lernens mit mobilen Endgeräten. Wiesbaden: Springer VS, S. 13-26.

[18] Wu, W.-H., Wu, Y.-C. J., Chen, C.-Y., Kao, H.-Y., Lin, C.-H. & Huang, S.-H. (2012). Review of trends from mobile learning studies: a meta-analysis. In: Computers & Education. 59(2), 817-827.

[19] Dittler, U. & Kreidl, C. (2015). Was nun – stehen wir an der Schwelle zum „Smart Social eLearning“? Gibt es durch den Einsatz von Smartphones, Tablet-PCs und Apps neue Möglichkeiten im eLearning, die interessante Perspektiven eröffnen? In: HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik. 52(1), 46-57.

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Susanne Anneken

Susanne Anneken

Susanne Anneken B.A., M.Ed. hat an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg studiert und mit dem Master of Education abgeschlossen. Bis zum Beginn ihres Referats im November war sie Lehrkraft an den BBS Meppen.